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China

Nach einer Schnuppertour "Peking in 4 Tagen" im Jahre 1998 beschloss ich diesmal doch ein wenig länger zu bleiben und die Reise nicht nur auf die Hauptstadt zu beschränken. Nach sehr guten Erfahrungen mit dem Reiseveranstalter EAST ASIA Tours Berlin buchte ich diesmal "Höhepunkte Chinas". Leider hatte die Fluggesellschaft AIR-China alle Flüge von und nach Berlin eingestellt und so begann die Reise mit einer Bahnfahrt über Berlin nach Frankfurt.

Tag 1

Nach der Ankunft in Frankfurt bleibt noch genügend Zeit für ein ausgiebiges Essen und einen Frisörbesuch. Letzteres sollte sich im späteren Reiseverlauf als Fehler herausstellen. Das Einchecken inmitten von heimreisenden Chinesen und ihren gigantischen Mengen an Gepäck verläuft problemlos. An Bord dann eine angenehme Überraschung, ich bekomme einen Platz in der ersten Reihe mit ausreichend Beinfreiheit. Allerdings sitze ich auf dem mittleren Platz und meine Nachbarn strafen das Vorurteil von "kleinen Chinesen" Lüge. So wird das Essen zur sportlichen Herausforderung. Mit viel Humor und Konversation (Gesten) wird es aber irgendwie geschafft und nach 2 weiteren Stunden beneide ich Beide um ihren tiefen Schlaf.

Tag 2

Nach der Landung in Peking und den unvermeidlichen Zoll- und Passkontrollen werden wir von unserem Reiseleiter Herrn Wu begrüsst. Er wird uns die gesamte Reise begleiten und später ausserhalb Pekings von lokalen Reiseleitern unterstützt. Nach der Fahrt zum Hotel und dem Einchecken bleibt noch Zeit für eine Dusche. Nachmittags geht's dann zum Sommerpalast. Der Name trügt, es handelt sich nicht um ein einzelnes Gebäude sondern um ein weitläufiges Areal mit vielen kleineren und grösseren Bauten, Brücken, Tempeln, Gärten und vielem mehr. Das bekannteste ist wohl das Marmorschiff, ein im See stehendes Gebäude in Form eines Bootes. Für mich am schönsten ist der längste (!??) Wandelgang der Welt. Ein überdachter Fussweg mit herrlichen Malereien in der Dachkonstruktion. Am Ende des Weges werde ich von einer Gruppe europäischer Mädchen wortreich mit grossem Hallo begrüsst. Nach genauerem hinhören stelle ich fest das es sich um Norwegerinnen handelt und mir wird klar das ich ein im letzten Urlaub in Norwegen gekauftes Basecap mit Nationalflagge trage. Der Irrtum ist schnell aufgeklärt und die Unterhaltung wird auf englisch fortgesetzt. Der Abend klingt mit einem Essen in einem sehr schönen Restaurant nicht weit vom Tian-an-men-Platz aus bei dem sich die Reisegruppe etwa näher kennenlernt.

Tag 3

    Heute besuchen wir die Minggräber. In ihnen sind 13 der 16 Kaiser der Dynastie bestattet. Die Gräber sind leer bzw. noch nicht geöffnet. Exponate daraus befinden sich in Museen. Das Grab welches wir besuchen ist eine Touristenatraktion und entsprechend gross ist der Pulk an Souvenierverkäufern durch die man sich quälen muss um den Eingang zu erreichen. Dafür entschädigt der Blick vom Dach des Grabes. Von hier aus kann man einige der anderen Grabstätten in weiter Ferne erkennen und bekommt so einen Eindruck von der weitläufigkeit der gesamten Anlage. Auf dem Rückweg benutzen wir dann den "Heiligen Weg" (oder auch Geisterweg). Das ist der historische Zugang zu den Ming-Gräbern. Die Bezeichnung "Weg" ist leicht untertrieben, es ist eine breite gepflasterte Strasse gesäumt von überlebensgrossen Tier- und Menschenfiguren aus Stein. Der "Weg" ist wie alledieser Art nicht gerade sondern hat in der Mitte einen Knick. Dies macht es bösen Geistern unmöglich ihn zu benutzen. Den selben Zweck erfüllen auch Holzwände die in einiger Entfernung von Eingangstüren aufgestellt werden Am Nachmittag geht es dann zu dem wohl bekanntesten Bauwerk Chinas, der Grossen Mauer. Entstanden ist sie aus mehreren Teilstücken und fungierte jahrhunderte als antibarbarischer Schutzwall. Sie wurde mehrfach vernachlässigt und wieder aufgebaut. Ihr Verlauf änderte sich mehrmals und heute sind grosse Teile nicht mehr auffindbar. Nach neusten Erkenntnissen gab es insgesamt ca. 6300km Chinesische Mauer.

  Nördlich von Peking in Badaling liegt ein recht gut restauriertes malerisch gelegenes Teilstück der Mauer. Sie schlängelt sich auf den Bergkuppen entlang und erstreckt sich soweit das Auge reicht. Die Mauer war allerdings niemals die eigentliche Grenze sondern lag im Hinterland als militärisches Hindernis und Nachrichtensystem. Nach einer ausgiebigen Wanderung auf der Mauer, wobei ich Höhenunterschiede von fast 100m überwinde (Stufenhöhe 40cm !!!), geht es mit dem Bus zurück nach Peking. Am Abend mache ich mich, mit einigen anderen aus der Reisegruppe, auf zu einem nächtlichen Stadtbummel durch Peking. Einige Strassenecken weiter entdecken wir ein grosses Aufgebot an Garküchen und nach einem kurzen Überblick lassen wir den geplanten Restaurantbesuch ins Wasser fallen. Auf einer Stecke von ca. 300m reiht sich eine Imbissrikscha an die andere. Die Räder stehen auf dem Gehweg und die ersten beiden Spuren der Strasse werden zur Fussgängerzone. Nach reichlichem Essen (Portion für 1-2 DM) und dem Genuss einiger Dosen einheimischen Bieres finden wir uns in einer Runde von wirklich internationalen Ausmasses wieder. Wir treffen Taiwanesen, Japaner, Franzosen, Schweden und sogar einen älteren Herrn aus Bayern. Dieser fragt aber nur kurz ob wir wüssten wo es "oahnständge Nutten" gäbe und zieht weiter. Nach dieser improvisierten Strassenfeier falle ich dann irgendwann nach Mitternacht todmüde ins Bett.

Tag 4

  Mit einer grossen Portion Neugier geht es nach dem wie immer hervorragenden Frühstück (meistens europäisch) zum Kaiserpalast der "Verbotenen Stadt". Zumindest für die Anderen, denn ich habe diesen Riesenkomplex schon im Vorjahr besichtigt. Trotzdem entdeckt man immer wider neues was auch nicht verwunderlich ist. Nur ein geringer Teil ist (weil schon restauriert) für Besucher überhaupt zugänglich. Trotz einer 2,5stündigen Tour bleibt noch genug übrig um wieder und wieder zu kommen. Es ist schon beeindruckend wenn man hört das der Palast 9999 Zimmer hat, aber eine Vorstellung von der Grösse des ganzen bekommt man nur wenn man ihn durchstreift und an seinen Aussenmauern entlang geht. Die Grösse ist auch das was am beeindruckendsten ist und was nachhaltig "hängenbleibt".Erstaunlicherweise denken aber nicht alle so denn ich höre nach dem Rundgang zufällig in einem wohl bekanntem Dialekt aus dem Südosten Deutschlands "Do hädsch mor mär drunder vorgeschdelld, die bor Holzhütt`n ..." Der Kaiserpalast ist recht gut besucht obwohl laut unserem Herrn Wu im Februar (in Peking herrschen ähnliche Temperaturen wie in Mitteleuropa - wir haben allerdings nur strahlend blauen Himmel) absolut Nebensaison ist. Ich möchte mir garnicht vorstellen welche Menschenmassen sich in Ferienzeiten durch die Gänge quetschen.

  Vor dem Essen werden wir dann noch zu einem Vortrag über chinesische Medizin und Akupunktur "eingeladen". Das ganze stellt sich aber als billige Verkaufsveranstaltung im Stile türkischer Teppichhändler heraus und ist für mich der einzige negative Punkt der Reise. (Der Besuch einer Perlenfarm und einer Emaillemanufaktur sind zwar auch Verkaufsveranstaltungen aber irgendwie interessanter.) Nachmittags steht dann der Besuch des Himmelstempels auf unserem Programm. Auf dem Prozessionsweg dorthin (der mittlere Streifen war ausschliesslich dem Kaiser vorbehalten) entsteht der Eindruck das man sich auf ein Gebäude zubewegt welches zwei Dächer hat, ein Quadratisches unter einem Runden. Dort angekommen stellt man aber fest das es zwei Bauten sind die exakt hintereinander stehen. Wieder im Hotel besorge ich mir erst einmal einen Stadtplan. Ich habe mir vorgenommen meinem Hotel vom Vorjahr einen Besuch abzustatten. Trotz schon mehrmaliger Fahrten (Bus, Taxi) durch die Stadt habe ich es bis jetzt nocht nicht wiederentdeckt. Nach einem längeren Fussmarsch (10km, auf der Karte laut Massstab errechnet) habe ich es schliesslich gefunden. Kein Wunder: der Eingang ist jetzt auf der früheren Rückseite des Hotels in einer anderen Strasse. Das einzige Gebäude in der näheren Umgebung das ich wiedererkenne ist ein grosses Krankenhaus. Trotzdem finde ich nach längerem Suchen die kleine Seitengasse mit urgemütlicher Kneipe wieder in der ich mir im Vorjahr abends immer ein wohlverdientes Bier gegönnt habe. Von solcher Vorfreude beflügelt eile ich um die Ecke und stehe vor einem 16geschossigem Hochhaus im Rohbau. Nach dieser doch herben Enttäuschung nehme ich mir ein Taxi zurück ins Hotel.

Tag 5

Als erstes besuchen wir heute einen Lamatempel der sogar die Kulturrevolution unbeschadet überstanden hat. Nach Aussage unseres Reiseleiters haben die Mönche sich eines einfachen aber wirkungsvollen Tricks bedient. Al die Gefahr des Sturms auf das Kloster immer grösser wurde hängten Sie in alle Maueröffnungen (Türen, Fenster) grosse Plakate und Bilder Maos. Die Soldaten wagten es nicht diese "Heiligtümer" zu beschädigen. Die Mönche waren so vor der erste Hysterie geschützt und wurden danach stillschweigend geduldet. Das Kloster ist gut besucht und es sind in erster Linie junge Leute die zum beten gekommen sind. Wir gehen durch einen grossen Raum mit Liegestühlen, jeder mit Leselampe, zum studieren. Später erfahren wir das die Mönche nicht mehr im Kloster leben. Mönch ist sozusagen ein Halbtagsjob geworden. In der letzten Halle bewundern wir einen aus einem Baum geschnitzten Buddha der 27 (!!!)m hoch ist. Das ganze ist ein Geschenk des Dalai-Lama und im Guinnes-Buch der Rekorde eingetragen (goldene Tafel am Eingang). Später besuchen wir dann den Konfuziustempel der inmitten eines eher traditionellen Wohnviertels liegt. Die Häuser sind mit ganz wenigen Ausnahmen eingeschossig und jeder Quadratmeter des Gehweges ist produktiv erschlossen. Kilometerlang reiht sich ein "Geschäft" an das andere.

Läden/Verkaufsstände für Lebensmittel, Kitsch, Zigaretten ... es gibt nichts was nicht angeboten wird. Dazwischen immer wieder Werkstätten für Fahrräder, Autos, Haushaltsgeräte und was weiss ich noch alles. In einer Nische unter knorrigen Bäumen befindet sich eine von vielen Frisörecken. Ca. 10 Leute bewaffnet mit einer Schere, einem Rasiermesser und einem Klappstuhl warten auf Kundschaft. Da ich blond bin werde ich sofort umringt und man bietet mir sowohl Haarschnitt als auch Rasur (3Tagebart) kostenlos an. Das ich mich nicht vom , nach chinesischem Verständnis sehr unästhetischem Bartwuchs, trennen möchte stösst auf völliges Unverständnis. Am Nachmittag fahren wir zum Platz des himmlischen Friedens der aber wegen komplexer Bauarbeiten gesperrt ist. Der Termin zur kompletten Erneuerung des Pflasters ist sicherlich nicht zufällig gelegt. In diesem Jahr jähren sich zum zehnten Male die Studentenunruhen. Den Rest des Tages verbringe ich mit einem ziellosem Stadtbummel der mich durch Parks und Gärten führt. Abendessen nehme ich ausnahmsweise im Hotel zu mir. Ich probiere mal europäische Gerichte die man von der heimischen Speisekarte kennt. Sieht aus wie zu Hause schmeckt aber anders, auf keinen Fall schlechter.

Tag 6

Dieser für uns letzte Tag in Peking beginnt mit einem Spaziergang durch den Behai-Park. Der Weg führt uns dann weiter auf einen kleinen Hügel (dem Kohlenberg) mit einem Aussichtsturm. Von dort geniessen wir einen letzten Blick über Peking und die Verbotene Stadt die direkt zu unseren Füssen liegt. Nach dem Abstieg geht es direkt zum Flughafen und reibungslos in den Flieger. Für mich ist es eine Premiere, das erste mal sitze ich in einem Airbus. Alles klappt prima und ca. 2 Stunden später landen wir in X`ian. Wir fahren vom ausserhalb liegenden Flughafen in die Innenstadt und beziehen unser Hotel. X`ian besitzt die wohl am besten erhaltene Stadtmauer aus dem Altertum. Wenn sich aber nicht baldigst etwas an der Umweltpolitik der Region ändert dürfte das Ende nicht mehr fern sein. Der Smog ist fast unerträglich. Den Abend verbringe ich mit mit einer ersten Erkundung rund ums Hotel. Der Ladenschluss scheint hier kein Thema zu sein denn die Supermärkte schliessen erst mit dem Ausbleiben der Kunden so gegen 22.30 Uhr. 23.15 kaufe ich in einem der letzten noch offenen Läden eine Flasche einheimischen Wein und beende den Tag mit selbigem und den neuesten Nachrichten auf CNN in meinem Hotelzimmer.

Tag 7

  Heute besuchen wir die Weltberühmte Terrakottaarmee. Die Soldaten stehen restauriert an den Stellen an denen sie gefunden wurden also noch in den Gruben die in den lehmigen Untergrund geschaufelt wurden. Jede dieser mehr als fussballfeldgrossen Gruben wird von riesigen freitragenden Hallen überspannt. Die Ausgrabungen sind im hinteren Teil der Hallen noch in vollem Gange so das niemand mit Bestimmtheit sagen kann welche Ausmasse diese Armee eigentlich hat. Den meisten Kriegern fehlen die Waffen. Sie wurden Jahrhunderte nach Entstehung der tönernen Figuren von Bauern gestohlen, aber nicht um sie als Antiquitäten zu verkaufen sondern um in einem Aufstand mit ihnen zu kämpfen. Dabei wurden viele der Figuren beschädigt oder ganz zerstört. In den Hallen herrscht Foto- und Videoverbot.

Als ich mutterseelenallein an einer Seitenwand stehe, kann ich es mir aber nicht verkneifen und hebe unauffällig die Kamera. Auf einmal höre ich ein "psssssst" und schrecke herum. Hinter mir steht ein recht grosser Wachmann und schüttelt vorwurfsvoll mit dem Kopf. Ich schlage beschämt die Augen nieder: "Wo zum Teufel kam der her ..." Einen guten Eindruck von den Kämpfen bekommt man im Rundkino in der Nähe der Hallen. Mehrere Projektoren werfen ineinanderübergehende Filmbilder auf die Rundumleinwand. Zusammen mit einem ausgefeiltem 3D-Sound ist der Eindruck beklemmend realistisch. Man spürt förmlich wie einen die Pferde niedertrampeln. Auf dem Weg zum Mittagessen halten wir noch kurz an der Wildganspagode und am Nachmittag besuchen wir einen Garten mit Thermalquellen der für eine Konkubine des Kaisers erbaut wurde. Am Abend gibt es gegen Aufpreis ein Maultaschenessen, eine lokale Spezialität zum chinesischen Frühlingsfest. Leider lässt mich an diesem Abend mein Magen im Stich und verweigert jegliche Nahrungsaufnahme.

Tag 8

  Am Morgen fliegen wir nach Guilin, was "Zimtbaumwald" bedeutet. Tatsächlich stehen an vielen Strassen Zimtbäume. Das und die fast sommerlichen Temperaturen zeigen das wir uns jetzt in einer völlig anderen Klimazone befinden. Immerhin sind wir fast 2000km von Peking entfernt. Die Umgebung des Hotels macht einen kleinstädtischen Eindruck und für chinesische Verhältnisse trifft das mit ca. 600 000 Einwohner auch zu. Überall in der Stadt stehen Felsen aus Karststein die eher an Türme als an Hügel erinnern. Auf den meisten befinden sich kleine Pagoden oder einfach nur überdachte Aussichtspunkte. Nach einem kräftezehrenden Aufstieg werden wir mit mit einem phantastischem Ausblick über Stadt und Fluss belohnt. Der Fluss führt zu dieser Jahreszeit wenig Wasser. Sehr wenig wie sich noch herausstellen sollte. Anschliessend besuchen wir die Schilfrohrflötenhöhle, eine Tropfsteinhöhle die wie ich meine mit den vielen bunten Scheinwerfern einfach kitschig wirkt. Aber das ist Geschmackssache.

Später bei einem abendlichen Bummel werde ich das erste mal in China mit Prostitution konfrontiert. Der Taxifahrer bietet sich an mich zu einem solchen Haus zu fahren und das auf halbwegs verständlichem deutsch. Ich lehne ab und geniesse den Bummel am Li Fluss. Direkt auf der breiten Uferpromenade wird an vielen Stellen von meist älteren Herrschaften getanzt. Ein paar Meter weiter entdecke ich sogar ein Mitglied unserer Reisegruppe inmitten der Tänzer. Als Europäer ist er natürlich Hahn im Korb und kann sich vor Damen kaum retten. Da ich selbst über keinerlei tänzerische Fähigkeiten verfüge umgehe ich die Gruppe und kaufe in einem winzigem Laden neben dem Hotel eine Flasche Wein. Dieses Getränk hat mit dem hiesigen Wein kaum Ähnlichkeit, es ist bernsteinfarben und trüb um nicht zu sagen milchig. Der Verkäufer beteuert aber das dies eine lokale Spezialität sei und der Wein genauso aussehen müsse. Etwas skeptisch ziehe ich mich auf mein Zimmer zurück. Wieder Erwarten schmeckt das Getränk ausgezeichnet.

Tag 9

  Heute steht eine ganztägige Bootsfahrt auf dem Li-Fluss auf dem Programm. Der Fluss führt durch eine Karstlanschaft, die das Hauptmotiv der klassischen chinesischen Landschaftsmalerei ist. Wegen des niedrigen Wasserstands können wir leider nur eine Teilstrecke befahren. Schon auf der Hinfahrt berührt der Blechboden des Bootes häufig mit einem grässlichem Quietschen den steinigen Untergrund. Am Ufer sind Hausboote und auf dem Fluss Kormoranfischer zu sehen. Die Boote sind nach Einheimischen und ausländischen Touristen getrennt. Nach dem Essen findet sich unsere gesamte Reisegruppe auf dem Oberdeck ein und geniesst die Landschaft. Zwischen den Bergen ziehen Nebelschwaden und ergeben so das aus der klassischen Malerei vertraute Bild. Nur ist es in der Realität natürlich schöner. Auf dem Rückweg passiert dann das womit ich schon lange gerechnet habe, unser Boot sitzt nach einem langen kreischenden Geräusch fest. Nach mehreren erfolglosen Versuchen das Boot mit langen Stangen und aller Motorkraft frei zubekommen, steigen wir schliesslich über Planken ins trockene Flussbett und gehen ein Stück zu Fuss.

Derart erleichtert ist ist das Boot bald wieder flott und gleitet über die flache Stelle. Erstaunlicherweise schafft es das Boot mit den chinesischen Touristen ohne Entladung, was bei uns zum Nachdenken über das Gewicht europäischer Touristen führt. Nach dem Anlegen und einem Spiessrutenlauf durch die Souvenierverkäufer erreichen wir dann unseren Bus der uns zu einer Kunstverkaufsausstellung bringt. Zuvor versucht mir noch eine junge Frau ihr Kind zu verkaufen. (Ob es für solche Souvenirs auch Vordrucke in der Zollerklärung gibt ?) Die Ausstellung ist sehr interessant und einige aus unserer Gruppe erstehen Tuschezeichnungen im klassischem Stil. Ich halte mich zurück was sich später auch als richtig erweist, denn dieselben Zeichnungen entdecke ich für ein viertel des Preises in einem staatlichen Kaufhaus in Shanghai.

Tag 10

  Durch Chinesische Feiertage bedingt wird unser Aufenthalt in Guilin um einen Tag verlängert was nicht weiter schlimm ist, nur fehlt uns dieser Tag später in Nanjing. An diesem Tag fahren wir aufs Land in ein Dorf das üblicherweise keinen Besuch von europäischen Langnasen bekommt. Wir schlendern durch die Gassen und bekommen einen Einblick in das Alltagsleben der Dorfbewohner. Die Häuser machen einen ärmlichen und zum Teil auch schmutzigen Eindruck. Aber sicher sollte man nicht alles mit europäischen oder gar deutschen Massstäben messen.Die Leute machen jedenfalls einen rundum zufriedenen Eindruck und sind sehr freundlich. Als sie unsere neugierigen Blicke ins innere der Häuser bemerken werden wir sofort hereingebeten und zum Teil auch mit Tee bewirtet. So erleben wir hautnah wie Teig für Maultaschen in einem grossen Mörser gestossen und von Frauen weiterverarbeitet wird. Die ganze Familie hilft, von der Oma bis zu den kleinen Kindern. In anderen Häusern wird zum Teil in ganzen Gruppen ferngesehen. Die Geräte der Unterhaltungsindustrie gehören zur neusten Generation und passen irgendwie nicht zu den Häusern, dem Dorf und den Menschen. Da die Stadt wegen des kommenden Frühlingsfestes von Einkaufenden recht überlaufen ist, bummele ich durch ein paar Seitengassen zum Li-Fluss und lasse auf einer einsamen Bank die Seele baumeln.

Tag 11

Nach dem Besuch der Fubo-Höhle (ca. 150 in den den Fels gemeisselte Buddhastatuen) und dem Aufstieg auf den Fubo-Berg ganz in der Nähe des Hotels, verabschieden wir uns mit einem tollen Rundblick, über Stadt und Fluss, von Guillin. Dann geht's zum Flughafen und wir steigen in eine doch recht antiquarisch aussehende Maschine die ich anfänglich für ein chinesischen Flugzeugtyp halte. Bei der Zwischenlandung in einer Stadt irgendwo an der Küste (daher 4h Flug) stelle ich fest das es doch eine BOING ist. Dann geht es weiter nach Nanjing. Nanjing heisst südliche Hauptstadt im Gegensatz zu Beijing was nördliche Hauptstadt bedeutet. Abends mache ich einen Spaziergang durch das zum Frühlingsfest bunt und hell beleuchtete Nanjing. Die ganze Stadt wirkt irgendwie "westlicher" und später werden wir auch von der Reiseleitung vor Taschendieben und Ähnlichem gewarnt.

Tag 12

  Heute besichtigen wir zuerst die 4km Jangtse-Brücke (oben Strasse unten Bahn). Die Chinesen sind mächtig stolz auf die Brücke. Ursprünglich begonnen von sowjetischen Ingenieuren, die aber nach Spannungen zwischen den Ländern abzogen. Danach wurde, diesmal unter rein chinesischer Regie, noch mal von vorn begonnen (man hatte damals noch keinerlei Erfahrungen mit Brücken dieser Grössenordnung). Neben der heutigen Brücke steht noch ein einzelner Pfeiler als Zeugnis des ersten sowjetischen Versuches. Nach einem Marktbesuch und der Besichtigung der Stadtmauer besuchen wir das Grab des ersten Ming-Kaiser. Ich erstehe in einem kleinen Laden ein paar herrlich kitschige Glocken. Meinen Plan mir ein "irgendwie chinesisches" Basecap zuzulegen muss ich fallen lassen, da hier sonst scheinbar nur Nachfrage nach Mützen mit dem Aufdruck grosser internationaler Firmen besteht. Dann kommen wir zum Grabmal des 1. Präsidenten der chinesischen Republik, Dr. Sun-Yat-Sen. Er wurde hier auf eigenen Wunsch oberhalb des Kaisergrabes in einem sehr grossen Areal beigesetzt. Für unseren Reiseleiter durchaus angemessen, war er doch der Erste der eine Jahrtausend währende Monarchie ablöste. Die Anlage scheint ein Wallfahrtsort für die Bevölkerung an Feiertagen zu sein. (Heute ist chinesisches Sylvester, Ende des Tigerjahres, Beginn des Jahres des Hasen) 16.10 fahren wir wir mit dem Zug nach Soushou und feiern abends im Hotel in kleiner Runde und in kleinem Masse Sylvester.

Tag 13

    Soushou ist bekannt als Stadt der Gärten und das Venedig des Ostens.Wir besuchen den "Garten des bescheidenen Beamten" (???!!???) und einige andere Gärten. Die Anlagen sind wunderschön, allerdings lässt sich die Blütenpracht um diese Jahreszeit natürlich nur erahnen. Anschliessend machen wir eine Bootsfahrt über den Soushou- und Kaiserkanal (1800km lang und vor 2000 (!!!) Jahren erbaut). Das Wasser ist stark verschmutzt aber es ergeben sich interessante Einblicke in die Hinterhöfe und damit in Alltagsleben der Menschen. Nach einem kurzen Zwischenstop auf einem Markt geht es zurück und noch am selben Tag mit dem Zug (ostdeutsches Fabrikat, aus Bautzen) nach Shanghai. Wir checken ins Hotel ein und ich bin zu faul für einen Erkundungsspaziergang, also gönne ich mir an der Hotelbar einen unverschämt teuren Longdrink und gehe zeitig ins Bett.

Tag 14

    In Shanghai hat man das Gefühl China verlassen zu haben. Die Stadt ist modern und vollkommen "westlich".Die historischen Gebäude sind überwiegend europäisch, kein Wunder, waren doch die Chinesen jahrzehntelang eine Minderheit und nur als Dienstboten geduldet. Wir machen eine Stadtrundfahrt mit dem Besuch verschiedener Tempel die aber alle (immer noch Feiertag) total überfüllt sind. Dasselbe gilt auch für den sogenannten "Bund", die Uferpromenade Schanghais (Es gibt noch ein Schild mit der Aufschrift: Für Chinesen und Hunde verboten). Auf der anderen Seite des Flusses steht bzw. entsteht ein gigantisches Banken- und Geschäftsviertel. Der aus 11 Kugeln bestehende und noch nicht soalte Fernsehturm (ca.360m) wird bereits vom in der Nähe stehenden Gebäude (Spitzname Bambus, die oberen 50 Stockwerke sind ein Hotel) überragt. Wenn ich unseren Reiseleiter richtig verstehe sollen auf diesem Areal in den nächsten Jahren noch ca. 1000 (in Worten eintausend) Hochhäuser entstehen. Seit der "Heimkehr" Hongkongs ist Shanghai nicht mehr die Nummer 1 der Geschäftswelt in China. Die Stadt tut alles um dieses zu korrigieren. Den Rest des Tages verbringe ich auf Asiens grösster Einkaufsmeile (ca. 100 grosse Kaufhäuser) mit dem Kauf verschiedener Mitbringsel. Zurück ins Hotel geht es dann im Taxi und ich habe das Gefühl durch Umwege übers Ohr gehauen zu werden.

Tag 15

Leider ist die Reise zu Ende und es geht zum Flughafen. Wir fliegen über Peking (2 Stunden Aufenthalt) zurück nach Frankfurt. Der Flug (diesmal ohne Vorfreude auf das Kommende) scheint endlos. In Frankfurt verpasse ich, trotz Zollkontrolle und Gepäckentgegennahme im Laufschritt, meine letzte Direktverbindung nach Hause um genau 10min. Die nächste Zugverbindung beschert mir einen 4stündigen nächtlichen Aufenthalt in einer Kleinstadt nördlich von Berlin. Ich verzichte dankend. Stattdessen mache einen Stadtbummel durchs Frankfurter Bahnhofsviertel und esse beim Inder zu Abend. Gegen 23 Uhr nehme ich den Liegewagen und komme so am nächsten ...

Tag 16

... Vormittag gut ausgeruht zurück auf die Insel.

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