Goethe hat das Land der Griechen nie betreten. Dennoch hat der Dichterfürst wie kaum ein anderer in Europa die Sehnsucht nach diesem Land geweckt, das die Wurzeln unserer abendländischen Kultur hervorgebracht hat. Mit der Wiederentdeckung der Antike wurde Griechenland zum kulturellen Traumziel schlechthin. Auch ich konnte mich dem nicht entziehen und 1993 ging es quer durch Deutschland und Österreich erstmal nach Italien. (Die eigentlich geplante Anreise über Jugoslawien erschien zu unsicher.)
Mit einer Übernachtung in Bozano erreicht man so Ancona. Ein eher unwichtiges Städtchen aber mit einem recht großen Fährhafen. Viele verschiedene und verschieden schnelle Fährlinien starten von hier in Richtung Griechenland und Jugalawien. Mit etwas Glück kann man auch vor Ort noch ein Schnäppchen in Bezug auf den Fährpreis machen. Es muß ja nicht immer die Neueste oder Schnellste sein und warum soll man für 2 Stunden Zeitersparnis im Urlaub, 200 DM mehr bezahlen. Allerdings lassen die unzähligen Farbschichten der Fähre auf ein recht hohes Alter schließen.
Ansonsten ist der Aufenthalt an Bord sehr angenehm. Der Urlaub hat so richtig begonnen: Seele baumeln lassen und den traumhaften Sonnenuntergang auf der Adria geniessen. Man fühlt sich wie auf einer Kreuzfahrt nur die mahlzeiten erinnern an eine Betriebskantine. Trotzdem vergehen die 22-24h viel zu schnell. Irgendwann ist die Überfahrt vorbei und die Autos rollen in Igonomitsa von Bord. Genau wie Ancona wäre die Stadt ohne ihren Hafen bedeutungslos. Durch die zahllosen ein- und auslaufenden Schiffe herrscht auf der Uferpromenade mit ihren zahllosen Reisebüros und Banken ein emsiges Treiben.
Weiter geht es auf einer sehr schönen Küstenstrasse Richtung Süden. Man findet sowohl touristisch erschlossene (mit Kneipe), als auch sehr einsam gelegene Badebuchten. Immer weiter auf der E55 erreicht man schließlich den Golf von Patras und wenig später den Golf von Korinth. Etwas im Landesinneren befindet sich das aus der Antike bekannte Delphi. Aus der Entfernung eher unscheinbar, liegt es beim Näherkommen sehr malerisch unter fast senkrechten Felswänden an einem Steilhang. Das heutige moderne Delphi besteht zum größten Teil aus Hotels und Souvenierläden und liegt ganz in der Nähe der Ausgrabungsstätte. Oberhalb der Strasse, die das Grabungsgebiet in zwei Teile zerschneidet, befand sich der Apollon-Tempel mit seinen sechs dorischen Säulen. Im Inneren stand auf einem Dreifuss, über einem Erdloch, die Pythia und der Gott verkündete durch ihren Mund seine oft zweideutigen Orakelsprüche. Der Stein auf dem Foto ist angeblich genau diese Stelle.
Ebenfalls oberhalb befindet sich das recht gut erhaltene Amphitheater. Von hier hat man einen phantastischen Blick über den Apollon-Tempel (links, die 6 Säulen), das wiederaufgebaute Schatzhaus der Athener (rechts) und die umliegenden Berge und Täler des Parnaß-Gebirges. In der Ferne ist die heilige Ebene von Amfissa zu erkennen, die sich bis zum Golf von Korinth erstreckt. Bei guten Sichtverhältnissen sind selbst die bis in den Mai hinein schneebedeckten Gipfel des Peloponnes zu sehen. Unterhalb der Strasse sind die Ausgrabungen noch in vollem Gange. Trotzdem sind schon einige Teile der Öffentlichkeit zugänglich und auf jeden Fall einen Besuch Wert. Das wohl Auffälligste sind die 3 (von 20) wieder aufgerichteten dorischen Säulen der "Tholos der Marmaria", eines Rundtempels. Dieser gilt als anmutigstes Baudenkmal Delfi`s und stammt aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert.
Auf jeden Fall sollte man das zwischen der Ausgrabungsstätte und dem
modernem Delfi liegende Museum besuchen. Hier sind die erhalten gebliebenen
Teile der draussen besichtigten Gebäude ausgestellt. In der Antike galt
Delfi als Nabel der Welt und das im geografischen, politischen und geistig-religiösen
Sinn. Der abgebildete Stein stand also genau am "Mittelpunkt der Welt".
Von Delfi bis nach Athen sind es gerade mal 176km und über die Hälfte
der Fahrzeit entfallen auf die letzten 20km. Die Hauptstadt Griechenlands
empfängt den Autotouristen gewöhnlich mit Schmutz, Abgasen und hoffnungslos
verstopften Strassen. Die Sehenswürdigkeit Nr.1 ist die mitten in der
Altstadt gelegenen Akropolis. Wohl jeder verbindet mit diesem Namen den Athener
Hügel obwohl es nichts weiter als "Oberstadt" bedeutet und
es in vielen Städten eine Akropolis gibt.
Nach einem schweißtreibenden Aufstieg durch das imposante Eingangstor am Westaufgang erwarten den Besucher die berühmtesten Bauwerke der griechischen Antike: z.B. Parthenon (Tempel der Athena), Nike-Tempel (der Siegesgöttin gewidmet). Vom Aussichtspunkt hat man einen großartigen Blick. Die Stadt erstreckt sich soweit das Auge reicht und gleichzeitig wird man mit dem größten Problem Athen`s konfrontiert. Der Smog hängt wie eine riesige Glocke über der Stadt und ist mörderisch für die Baudenkmäler und natürlich für die Menschen. Das und auch die im September noch sehr hohen Temperaturen können abendländische Kultur schnell zur Strapaze machen. So zeigt das nebenstehende Foto ein unverzichtbares Utensiel bei jedem Stadtbesuch. Wir kamen mit 3 Personen teilweise auf einen Liter pro gelaufene 300m.
Nach soviel Anstrengung sollte man sich einen Stadtbummel durch die Plaka,
die Altstadt, zu Füßen der Akropolis gönnen. Dieses Gebiet
ist weitgehend Autofrei und stellenweise laden Geschäfte und Lokale zur
Einkehr. Es gibt aber auch Ecken mit malerischen Gärtchen, engen winkligen
Gassen und ländlich-provinziellen Häusern. Abends wird die Plaka
mit ihren Tavernen und Cafe`s zum musik- und weinseligen Treffpunkt für
jung und alt.
Athen hat eine Unmenge an Sehenswürdigkeiten und man könnte wochenlang
hierbleiben. Doch nach 3 Tagen ist man auch ganz froh der vor Hitze flimmernden
Stadt zu entkommen.
Weiter geht es ,vorbei an Marathonas (Namensgeber für die olympische Disziplin), Richtung Norden immer an der Küste der Ägäis entlang. Dann ab Larissa quer durchs griechische Festland Richtung Westküste.Nach Paßstraßen über den Wolken und langen trockenen Ebenen gelangt man schließlich nach Meteora. Die seit dem 14.Jahrhundert auf den Kuppen, der bis zu 400m steil aufragenden glatt geschliffenen Felsen, gebauten Klöster sind wohl einmalig auf der Welt. Die meisten dieser Bauten waren früher nur über Strickleitern,Taue und Flaschenzüge erreichbar. Heute führen zum Teil recht abenteuerliche in den Fels gehauene Treppen und Gänge zu den Klöstern. Hier ein gutes Beispiel:
Über eine steile Treppe (1) am Fuße des Berges kommt man zu einer ins Felsgestein eingelassener schweren Tür (2). Von dort führt eine, mit einer halbhohen Mauer gesicherte, Art Wendeltreppe (3) einmal rund um den Berg (4) bis hinauf zur Gipfelplattform (5).Auf dem Weg nach oben und natürlich erst Recht der Gipfel selbst bieten herrliche Ausblicke über das Pindos- Gebirge und den Pinios-Fluss, der zusammen mit Regen und Wind, diese bizarren Felsformationen geschaffen hat. Auch kann man noch viele Überbleibsel der einstiegen Beförderungsmöglichkeiten entdecken (6).
Heute sind noch 6 der einst 24 Klöster von Nonnen und Mönchen bewohnt. Meteora ist nach Athen und Delphi zum meistbesuchten Reiseziel auf dem griechischen Festland geworden. Der Touristenbetrieb läuft zwar dem Charakter der Klöster, die als Stätten der Einsamkeit und Weltabkehr errichtet wurden, zuwieder, doch erstaunlicherweise kann er die Eindrucksstärke und den Zauber dieser Landschaft kaum beeinträchtigen, geschweige denn zerstören. Das sich aber auch Mönche der griechisch-ortodoxen Kirche an so profane Dinge wie Statik halten müssen zeigt das obere Foto. Schon seit dem 9. Jahrhundert, also lange vor dem Bau der Klöster, ließen sich Eremiten in den zahllosen natürlichen Höhlen nieder und selbst heute gibt es noch Menschen die diese natürliche Wohnform bevorzugen.
Vollgestopft mit Unmengen an bleibenden Erinnerungen ist es nicht mehr weit bis zum Ausganspunkt der Reise, Igonomitsa. In der Umgebung der Stadt kann man in einsamen Buchten, oder auch fröhlichen Tavernen und Strandbars - je nach Geschmack, die Eindrücke der vergangenen Tage nachklingen lassen und noch mal so richtig relaxen, bevor es mit der Fähre Richtung Italien und damit wieder nach Hause auf die Insel geht.
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