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Peloponnes

Die Halbinsel ist seit Fertigstellung des Kanals von Korinth eigentlich eine Insel und auf ihr befinden sich eine Reihe hochkarätiger Kulturdenkmäler. Auch landschaftlich ist sie durchaus reizvoll, so befinden sich Berge von über 2000m, die bis in den Mai hinein schneebedeckt sind, unweit herrlicher Badestrände und versteckter, einsamer Buchten. Alles in Allem genug Gründe nach dem 1993er Besuch des Festlandes die 21440 Quadratkilometer große Halbinsel aufzusuchen.

  Starthafen Ancona, ein guter Kompromiß zwischen kurzer Anfahrt - lange Seereise (Venedig) und Lange Anreise - kurze Fährfahrt (Bari). Auch wenn im September die Fährdichte etwas abnimmt sind Reservierungen weder für die Reise nach Igonomitsa noch nach Patras notwendig. Man hat die Wahl zwischen einer recht schnellen modernen Fähre, z.B. SUPERFAST (20h) und den traditionellen Fährlinien die ungefähr 30h benötigen. Wie auch bei der ersten Reise fällt die Enscheidung zugunsten eines eher langsamen aber dafür recht preisgünstigen Schiffes.

    Nach dem Verlassen der Fähre und der recht überfüllten, in meinen Augen unatraktiven Stadt Patras geht es Richtung Süden auf die Autobahn. Nach ca.1h und rund 110 Kilometern ist so Olympia erreicht. Die antiken Sportstätten, Gästehäuser und das Heiligtum liegen in einem wunderschönen Tal mit Pinien und Pappeln zwischen den Flüssen Alpheos und Kladeos. Hier also fanden die Olympischen Spiele von 776 v. Chr. bis ins 4.Jahrhundert nach Chr. statt. Im Stadion in dem die Laufwettbewerbe stattfanden, sind die originalen aus Steinplatten gebildeten Start- und Ziellinien zu bestaunen. Das Feuer für die modernen olympischen Spiele wird auch heute noch hier, in den Ruinen des Hera-Tempels, entzündet.

  Wie bei vielen antiken Ruinenstätten geht auch in Olympia der Eindruck von der atmosphärischen Gesamtwirkung aus. Man sollte weniger versuchen jeden Säulenstumpf nach Zeit und Lage zu identifizieren, sondern sich einfach in die, von der zauberhaften Landschaft ausgehenden, Stimmung versetzen lassen. Lohnenswert ist auf jeden Fall auch der Besuch im nahegelegenen Museum. Das moderne Olympia ist ein kleiner vollständig auf Tourismus angelegter Ort, in dem sich auch ein Museum zur Geschichte der modernen olympischen Spiele befindet.

    Vorbei an Bergdörfern, in denen die Zeit still zu stehen scheint, erreicht man den, mitten in einer unbewohnten, weltentlegenden Karstgebirgslandschaft gelegenen, Bassai-Tempel. Dieser gehört zu den schönsten und auch besterhaltensten antiken Tempel in Griechenland.
Leider ist er seit ein paar Jahren von einer recht futuristisch anmutenden Halle umhüllt.Ein Besuch lohnt aber in jedem Fall. Von dort der Straße Richtung Westen folgend kommt man schon bald an die Küste des Ionischen Meeres. Weiter südlich liegt direkt an der Straße und inmitten eines Olivenhain das Ausgrabungsgelände Nestors Palast. Eine Anlage aus mykenischer Zeit (1580-1150 v. Chr.) die erst im Jahre 1939 entdeckt wurde. Die verschiedenen Gebäudekomplexe, u.a.der Thronsaal, sind deutlich erkennbar.(Auf dem Foto sind die Reste des Opferherdes im großen Saal des Megarons von Pylos zu sehen.)

    Immer weiter südlich geht es, immer karger wird die Landschaft und immer eigentümlicher werden die Dörfer auf den Hügeln. Dann erreicht man die mittlere der drei südlichen Halbinseln, Mani. Diese ist in jeder Hinsicht einzigartig, sowohl landschaftlich (die wasserärmste Region Griechenlands) als auch im geschichtlichen Sinne. Jahrhunderte lang von Flüchtlingen verschiedenster Art besiedelt entwickelte sich eine eigenständige und zum Teil auch aggressive Kultur, die in erster Linie in den Wehrtürmen zum Ausdruck kommt. Seit Mitte des 16.Jahrhunderts setzte sich diese Wohnform bei den in Familienclans lebenden Einwohner durch. Heute sind nur noch Wenige wirklich bewohnt, aber in letzter Zeit werden einige als Ferienwohnungen genutzt. Im allgemeinen scheint es aber eine Landflucht zu geben und so werden in Zukunft wohl ganze Siedlungen sterben.

    Je südlicher man kommt um so mehr fühlt man sich von der Zivilisation verlassen. Nicht lange und die Asphaltstrassen weichen unbefestigten Wegen, eine riesige Staubfahne bildet sich hinter jedem der selten werdenden Autos und man hat das Gefühl hier können unmöglich Menschen wohnen. Und doch gibt es kurz vorm Kap Tainaron eine winzige Siedlung und ca. einen Kilometer südlich davon ein einzeln stehendes, bewohntes Haus. Das ist also der südlichste Punkt des europäischen Festlandes. Hier in Paliros enden der Fahrweg und jedwede Zivilisation. Vom letzten großen Berg vor dem Ort hat bietet sich ein phantastischer Überblick über das Kap sowie über das ägäische (im Osten) und das ionische Meer (im Westen). Von hier aus geht es nur noch nach Norden und man sollte die Straße an Ostküste bevorzugen.

  Sie windet sich in kühner Linienführung auf und ab, bald nah am Wasserspiegel, bald bis 400m hoch auf den Steilterrassen und verbindet einsame, teilweise verfallene Dörfer wie Kotrona, Drimos, Nimfi und Kokkala miteinander.Weiter nördlich vorbei an Sparti erreicht man so schnell wieder Gebiete, in denen in denen die Vegetation zunimmt und schon bald zeugen Ziegenherden auf der Straße vom Vorhandensein menschlicher Zivilisation.Auf dem Weg nach Norden hängt, südwestlich von Leonideon, einem Vogelnest gleich, das Kloster Moni Elonis an der Felswand. Es wirkt aus der Ferne unerreichbar und um so überraschender ist es beim näher kommen das die Asphaltstrasse nur wenige Meter am Eingangstor vorbei führt. Das Kloster ist auf einem künstlich verbreitertem Felsvorsprung erbaut und über einen, mit einer schweren Tür verschlossenen, Wandelgang zu erreichen.

  Das erstaunlichste an diesem Kloster ist die kühne Architektur ,der es gelungen ist, mit Stützbalken und Balkonelementen der winzigen Nische ein Maximum an umbautem Raum abzugewinnen. So sind einige Gebäude direkt in den Fels gebaut andere ragen ca. 3m über den Abgrund und bieten einen tollen Blick über das Parnon-Gebirge. In der einschiffigen Klosterkirche ist unter anderem ein Silberschatz zu bewundern. Es ist schwer zu sagen ob dieses Kloster wirklich bewohnt ist, aber im Hintergrund Küchenarbeiten verrichtende Frauen sowie die Tatsache das nicht alle Bereiche für Touristen zugänglich sind, sprechen dafür.

    Auf der östlichsten Halbinsel des Peloponnes liegt Epidauros, das Heiligtum des Heilgottes Asklepios (Äskulap). Der wohl berühmteste Kurort aller Zeiten war außer mit zahlreichen Kult- und Heilstätten auch mit einem Theater ausgestattet, das 12000 Besuchern Platz bot.Es ist das schönste und am besten erhaltene der antiken Welt und besonders durch seine einzigartige Akustik berühmt.So kann man noch in der obersten Reihe das Anzünden eines Streichholzes in der Mitte des Theaters ohne Probleme hören. Im nahe gelegenen Museum gibt es, zum Teil phantastisch erhaltene, Skulpturen zu bewundern. So unter anderem die Statur des Äskulap mit der sich um einen Stock windenden Schlange - auch heute noch das Symbol aller Mediziner. Hier erleichtern auch Teilrekonstruktionen die Vorstellung von den Bauten, die draußen nur noch als Reste erkennbar sind.

    Westlich von Epidauros liegt das wunderschöne Städtchen Nauplia. Man sollte auf keinen Fall versäumen hier einen Bummel zu machen und in einer der zahlreichen Tavernen zu entspannen.
Nicht weit entfernt im Norden befindet sich die bronzezeitliche Burgstadt Mykene. Sie war Sitz des sagenumwobenen König Agamemnon. Die eigentliche Burg ist im Gegensatz zum Eingangsbereich, dem Löwentor, nicht besonders gut erhalten.

  Nur ein paar Kilometer weiter kommt man zum Kanal von Korinth. Der Kanal, der den 6km breiten Isthmus zwischen dem Festland und dem Peloponnes durchschneidet, wurde im Jahr 67 nach Christi begonnen und erst 1893 vollendet.Die künstliche Wasserstraße verkürzt den Seeweg zwischen dem Ionischen Meer und Piräus um 300 km. Die Höhe der beiden Schachtwände beträgt immerhin 80m. Der Kanal ist an der Sohle 21m breit und 8m tief, so das er nur von Schiffen bis 10000 BRT und nur im Einwegverkehr befahren werde kann. Die Wände sehen teilweise recht brüchig aus.

  Von Korinth zurück nach Patras hat man die Wahl zwischen der schnellen Autobahn und der durch die Küstenorte führenden Landstraße. Auch wenn an der Küste des Golfs von Korinth keine antiken Sehenswürdigkeiten vorhanden sind und es in Griechenland sicher schönere Strände gibt, sollte man sich den Luxus des Langsamfahrens gönnen. Die nördliche Küste des Peloponnes besitzt einen ganz eigenen Reiz und das Urlaubsende ist mit dem Fährhafen von Patras sowieso schon in greifbare Nähe gerückt.

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