Angeregt durch einen Dokumentarfilm beschloss ich einen Kurztrip nach Istanbul zu machen. Nach Rücksprache mit meinem Reisebüro und dem Lesen weiterer Informationen, wurde daraus jedoch eine kleine Rundreise.
Der Urlaub beginnt mit einer Bahnfahrt und so bin ich gegen 14
Uhr auf dem Flughafen Berlin Tempelhof. Als erstes erfahre ich das der Abflug
von 18 Uhr auf ca. 20 Uhr verschoben und so bleibt noch Zeit für ein
Abendessen und ein Glas Wein in einer nicht gerade gemütlichen Kneipe
im Flughafen.
Gegen 19 Uhr lasse ich mich dann noch mal beim Schalter sehen und erfahre
das das Einchecken "so gegen 21 Uhr" beginnt. Tatsächlich sind
wir nach 15min Anstehen im Transitraum wo wir dann weitere 2 Stunden warten.
Gegen 23 Uhr sitzen wir dann im Flieger und erfahren von den anderen Passagieren
das die Maschine schon seit fast 4 Stunden auf dem Rollfeld steht. Der Flieger
kommt aus Istanbul und hat noch ein paar Leute an Bord die nach Hannover wollen.
Toll, wir fliegen also kurz vor Mitternacht erst mal gen Westen und von dort
dann endlich Richtung Türkei. Inzwischen....
...bin ich entsprechend müde komme aber nicht zum schlafen. Nach der Landung werden wir vom Reiseveranstalter in ein ziemlich heruntergekommenes Hotel gekarrt. Unsere Rundreise beginnt um 7 Uhr und da wir erst um 5.45 Uhr ankommen, reicht die Zeit gerade mal für eine Dusche und ein Frühstück. Beim Essen lerne ich die Anderen der Reisegruppe und wenig später unsere Dolmetscherin kennen. Der Bus ist schon da und kurz darauf verlassen wir Istanbul in Richtung Dardanellen. Die Fahrt führt entlang dem Marmara Meer und schon hier sind die Temperaturen weitaus angenehmer als in Deutschland. Bei den meisten unserer Reisegruppe wird die herrliche Landschaft aber nur bedingt wahrgenommen und auch mir fallen öfters mal die Augen zu. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir eine Autofähre, die mich irgendwie an Norwegen erinnert. Die Überfahrt dauert nicht lange und so betreten wir schon bald in Cannakkale das erste mal asiatischen Boden.
Wenig später, nach einem köstlichen Mittagessen, machen wir noch einen kleinen Spaziergang am Ufer der Dardanellen und geniessen den Ausblick auf Europa. Dann geht es weiter nach Troja, wo uns die Ausgrabungsstätte mit einem riesigen nachgebautem "Trojanischen Pferd" empfängt. Mit Troja verbinden die meisten Leute den Namen Schliemann. Ihm kommt der Verdienst zu die Stadt entdeckt zu haben, aber aus heutiger archäologischer Sicht hat er wohl mehr zerstört als erforscht. Im Eingangsbereich sind noch recht gut erhaltene Mauern zu bewundern. Erstaunlicherweise sind die Ältesten auch die am besten Erhaltenen. Ihre Steine sind millimetergenau behauen und passen fast fugenlos aneinander. Die wesentlich jüngeren Mauern wirken dagegen grob und primitiv.
Trotz der interessanten Anlage bin ganz froh das der Rundgang nach einer Stunde beendet ist (Der Schlaf der vergangenen Nacht fehlt einfach), und ich es mir wieder im Bus bequem machen kann. Die weitere Fahrt führt uns direkt am Mittelmeer entlang und es ergeben sich herrliche Ausblicke (z.B. die griechische Insel Lesbos). Bei einem kurzen Aufenthalt kann man von einem vorgeschobenen Aussichtspunkt aus kilometerweit die Küste entlang sehen. Das Wasser ist fast spiegelglatt und nur vereinzelte Boote hinterlassen ein paar Wellen. Am Strasenrand stehen ein paar Verkaufsstände und bieten in der Hauptsache Gewürze an. Da sich meine Kochkünste in Grenzen halten sind mir die meisten unbekannt und somit für mich "exotisch".
Dann fahren wir in ein Hotel das in einem unbedeutenden Ort direkt am Meer liegt und zu dieser Jahreszeit fast leer ist. Nach einer durchwachten Nacht und einem mit neuen Eindrücken vollgestopften Tag falle ich nach dem Abendessen todmüde ins Bett.
Heute besuchen wir zuerst Pergamon. Eine recht grosse Anlage die mich mit ihren, in Fragmenten wiederaufgebauten, Gebäuden an ähnliche Grabungsstätten in Griechenland erinnert.3 Dinge machen den Ort für mich besonders interessant. Zum Ersten sind es die Reste einer Trinkwasserversorgung, die den Hügel schon damals mittels verschieden grosser Becken und einer Druck(!)leitung, mit frischen Nass versorgten.Zum Zweiten ist es ein sehr gut erhaltenes Amphitheater (das steilste das ich kenne) und zum Dritten ein leerer Platz. Hier stand also der Pergamonaltar der heute in Berlin zu bewundern ist. Unsere Reiseleiterin erzählt uns später das sie extra nach Deutschland geflogen ist um ihn zu sehen und früher der Ansicht war, das der Altar zurück nach Pergamon sollte. Aber heute, seit sie im Tourismus beschäftigt ist, meint sie: "Es gibt keine bessere Werbung für mein Land".
Weiter geht die Fahrt durch die drittgrösste Stadt des Landes, Izmir (das antike Smyrna). Eine Grossstadt und die Hafenstadt der Türkei. Nach ein paar Kilometern auf einer mautpflichtigen Autobahn halten wir noch kurz in Selcuk und besichtigen die Überreste eines in einem Sumpf erbauten Tempels. Auf der einzigen wiederaufgerichtete Säule nistet ein Storch. Von hieraus hat man einen schönen Ausblick auf eine grosse alte Burganlage, die aber leider nicht im Programm steht (ein Grund für den nächsten Türkeibesuch?).
Nach nur 20min geht die Reise zum eigentlichenTagesziel Ephesus weiter.Diese antike Stadtanlage gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten der Reise. Beeindruckend ist vor allem die Gesamtheit der Anlage mit ihren komplett erhaltenen Strassenzügen. Wir spazieren über 2 Stunden durch die Ruinen bevor es, nach einem Tee in einem Strassencafe, zum Übernachten geht. Das Hotel hat einen wunderschönen Ausblick aufs Meer und den Ort, dessen Namen ich leider vergessen habe. Ich glaube es war Kusadasi. Da mir der Weg zur Stadt bzw. zum Hafen zu weit ist geniesse ich meinen RAKI auf der traumhaften Terrasse und später an der Bar.
Heute heisst es "Kilometerfressen" , wir fahren ca. 300km bis nach Bursa. Hier betrete ich dann zum ersten mal in meinem Leben eine Moschee (Schuhe ausziehen, die Damen müssen ihr Haar mit einem Kopftuch verhüllen). Die Moschee ist gut besucht und ich finde heraus das das islamische Gebet das Fitnestraining ersetzt. Nach einem kurzem Bummel in der Nähe der Moschee (mit einem herrlichen Rundblick über die Stadt) besuchen wir eine alte Karawanserei die inzwischen in einen Seidenmarkt verwandelt wurde. Die Händler sind freundlich aber nicht aufdringlich. Ich setze mich in den Innenhof und gönne mir mehrere Gläser vorzüglichen Tee. Später schlendere ich noch auf auf dem angrenzenden Markt und kaufe die ersten Mitbringsel. Der Markt ist zum Teil in Gebäuden untergebracht, zum Teil unter freiem Himmel und gefällt mir besser als später die Märkte in Istanbul. Dann geht's noch mal in eine herrliche Moschee mit einem Springbrunnen in der Mitte. Auch diese Moschee ist keinesfalls eine Touristenfalle sondern wird aktiv von den Gläubigen genutzt.
Nach dem Abendessen mache ich noch einen Stadtbummel und kehre zuerst in eine kleine Weinstube ein. Leider komme ich mit dem Besitzer (ich bin der einzige Gast) mangels einer gemeinsamen Sprache nicht in Kontakt. So ziehe ich weiter und lande in einem "Laden", der nur so gross ist das ein Ladentisch (so gross wie die Kasse), ein Stuhl und ein paar Stapel Bierdosen hineinpassen. Eigentlich will ich nur 2 Dosen Bier kaufen aber der Inhaber spricht ein wenig Deutsch und ein wenig Englisch und so kommen wir ins Quatschen über Gott und die Welt. Als ich den Laden verlasse habe 4 Bier getrunken, zwei in der Tasche und nichts bezahlt. Nette Leute die Türken.
Heute geht es zurück ans Marmara Meer und mit einer Autofähre kürzen wir den Weg nach Istanbul gehörig ab. So streifen wir das Erdbebengebiet nur am Rande. Trotzdem sehen wir links und rechts der Strasse Leute, die aus Angst noch immer nachts in Zelten schlafen, obwohl ihre Wohnungen längst repariert sind. Weiter geht's durch zum Teil recht hässliche und trotz breiter Strassen staugeplagte Vororte, bis ans Ufer des Bosporus. Die Moscheen der Altstadt auf der anderen (europäischen) Seite geben eine phantastische Kulisse für einen ausgedehnten Spaziergang. Das Wasser sieht glasklar aus ist aber zum Baden, laut Aussage unserer Reiseleiterin, nicht geeignet. Dann begeben wir uns über die riesige Hängebrücke zurück nach Europa.
Nach dem Mittagessen und einem Spaziergang am europäischen Ufer des Bosporus
besichtigen wir die Hagia Sophia, ein als christliche Kirche erbautes und
später in eine Moschee umgewandeltes Gebäude (Völlig normal,
es wurden auch Moscheen zu Kirchen, je nach dem welche Religion gerade "in"
war). Die Hagia Sophia ist heute nicht mehr "in Betrieb" und wird
seit 1934 nur noch als Museum genutzt. Gegenüber liegt die Sultan-Ahmet-Moschee,
besser bekannt als die "blaue Moschee". Wunderbar restauriert und
ein Kompromiss zwischen Moschee und Museum (Schuhe ausziehen ja, das Haar
verhüllen nein).
Am Abend beziehen wir unser Hotel. Es ist das selbe wie auf der Hinfahrt aber
diesmal bekomme ich ein besseres Zimmer und bin ganz zufrieden.
Nach dem Frühstück fahren wir zur Sultan-Süleyman-Moschee. Kuppelhöhe von fast 50 und Kuppeldurchmesser von über 26 Metern. Das erste mal mache ich mir wirklich Gedanken über die Statik eines solchen Bauwerks in einer Erdbebenzone. Geniale Baukunst und ab jetzt meine "Lieblings-Moschee". Das Mittagessen nehmen wir im Restaurant auf dem Galata-Turm, über dem goldenen Horn ein. Das Essen ist wie immer ausgezeichnet aber der Geschmack gerät völlig zur Nebensache, so faszinierend ist der Ausblick über Istanbul. Auf dem Balkon vergesse ich völlig die Zeit und die anderen warten schon ungeduldig als ich endlich aus dem Fahrstuhl steige. Anschliessend fahren wir mit dem Bus über die Galata-Brücke zu Anlegestelle und besteigen ein Ausflugsschiff.
Die jetzt kommende Bootsfahrt ist mit Abstand das absolute Highlight der Reise. Beginnend im Goldenen Horn (also fast im Marmara Meer) führt uns die Reise bis kurz vors Schwarze Meer. Unter den beiden Hängebrücken hindurch, an Villen vorbei, deren Preise so hoch sind das das Haus eines Hollywood-Stars in Bel Air wie ein Schnäppchen erscheint, fahren wir mal auf europäischer, mal auf asiatischer Seite und die Zeit vergeht wie im Flug. Der Abend klingt mit einem stimmungsvollen Essen in einem Restaurant direkt am Bosporus aus und wir fahren im Dunkeln zurück zum Hotel. Auf dem Rückweg regnet es zum ersten Mal seit Beginn der Reise und so fällt mein geplanter Ausflug ins Istanbuler "Nachtleben" buchstäblich ins Wasser. Also setze ich mich mit einer Mitreisenden noch auf zwei oder drei RAKI an die Bar. Ein lustiger Abend nimmt seinen Lauf und es stört auch nicht, das uns irgendwann ein Stromausfall für 20min Kerzenlicht beschert. Am nächsten Morgen erfahren wir das ein Erdbeben die Ursache für den fehlenden Strom war. Die andern aus unserer Reisegruppe wurden zum Teil durch die Erschütterungen geweckt, wir an der Bar haben nichts gemerkt ... es waren wohl doch eher drei als zwei RAKI.
Heute besuchen wir zuerst einen Markt auf dem hauptsächlich Gewürze gehandelt werden. Die Händler sind im Gegensatz zu Bursa unangenehmer weil aufdringlicher und als ich beim Kauf eines Dolches mit dem Wechselgeld betrogen werde, beschliesse ich diesen Basar nicht zu mögen. Später fahren wir zum Topkapi-Palast und nach einer kurzen Führung erkundet jeder auf eigene Faust die weitläufige Anlage. Ich bin mit den Eindrücken der letzten Tage recht "vollgestopft" und so mache ich nur eine Stippvisite bei den zahlreichen Ausstellungen. Ich setze mich auf eine Bank mit der Aussicht auf Bosporus und Goldenes Horn und relaxe einfach. Am Abend will ich eigentlich noch irgendwo Essen gehen, aber dann "fresse" ich mich, auf einem 3,5stündigem Spaziergang, durch zahlreiche Imbissbuden und Brezelbäcker. Wieder im Hotel bin ich sowohl satt als auch fusslahm. Ein schneller RAKI an der Bar macht mich dann endgültig reif fürs Bett.
Heute geht es also wieder nach Hause und nach dem Frühstück stelle ich die Koffer an der Rezeption ab (die Zimmer müssen geräumt werden), um einen letzten Spaziergang in unmittelbarer Nähe des Hotels zu machen. Nach der Busfahrt zum Flughafen und Zeit totschlagen auf demselben, checken wir irgendwann nachmittags ein und fliegen in Richtung Heimat. Zu meinem Ärger erfahren ich beim Abflug das wir wieder über Umwege (Hamburg) nach Berlin fliegen. Also: Zug weg, 3 Stunden Aufenthalt in Berlin (nicht ganz so schlimm weil gut gegessen) und erst mitten in der Nacht wieder zu Hause auf der Insel.
Nachwort:Zwei Stationen dieser Reise kann ich nicht mehr unterbringen. Es handelt sich um eine Schmuck- und eine Teppichverkaufsveranstaltung. Ich weiss wirklich nicht mehr an welchen Tagen sie stattfanden, aber negative Reiseerlebnisse verdrängt man eben.
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